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Start der Bundesliga platzt durch Corona-Beschränkungen

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Als der Bundesverband Deutscher Gewichtheber am vergangenen Mittwoch die Absage der Deutschen Meisterschaften verkündete, war dies bereits ein dunkles Vorzeichen für den Start der Bundesliga-Saison 2020/21, die am 21. November starten sollte. Die Befürchtungen vieler bestätigten sich nun, der BVDG verlegte den Start der Saison auf den 6. Februar 2021, aber auch dieser Termin bleibt weiterhin fraglich.

Gerade die teilnehmenden Vereine und deren Athletinnen und Athleten trifft diese Absage hart, war sie doch trotz des erneuten Corona-Lockdowns zu erwarten gewesen. Ein Grund mehr im heutigen Artikel einen Blick auf die Auswirkungen in einigen Top-Clubs der ersten Liga zu werfen.

Schaut man gemeinsam mit dem Bundesliga-Verantwortlichen des AC Mutterstadt, Stefan Mohr, dieser Tage in die heiligen Hallen des Vereins, sieht man einen wehmütigen Blick. Hatte man doch in Mutterstadt versucht, nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ein höchstmögliches Maß an Normalität für die Sportlerinnen und Sportler herzustellen, um so gute Trainingsbedingungen für die kommende Bundesligasaison anzubieten. Gerade das vereinseigene Fitnessstudio wird von vielen Freizeitsportlern genutzt und finanziert so auch das Bundesliga-Engagement des AC. Der Lockdown und die vorläufige Verschiebung des Liga-Starts, trifft die Pfälzer jedoch trotzdem empfindlich:

Zuerst ist es natürlich bitter für alle Freizeitsportler des AC, die nicht trainieren können. Finanzielle Einbußen aus diesem Bereich gibt es aber kaum, da die Mitglieder recht treu zum Verein stehen und es nur wenige Corona-bedingte Kündigungen gab. 

Die Verschiebung des Starts hat mehr die Auswirkung, dass man aufgrund der fehlenden Wettkämpfe aus dem Fokus der Leute verschwindet. Finanziell ist es für uns nicht so das Problem, da wir aufgrund unserer Einnahmen aus dem Studio und unserer treuen Sponsoren (Lotto Rheinland-Pfalz beispielsweise), die trotzdem ihre Unterstützung beibehalten, recht unabhängig von den Zuschauereinnahmen sind. Ein großer Teil dieser Einnahmen fließt auch in die Wettkampforganisation, die ja im Moment nicht nötig ist.

Stefan Mohr engagiert sich seit 18 Jahren innerhalb des AC Mutterstadt
Quelle: Privat

Die Bundesliga Athletinnen und Athleten vor Ort in Mutterstadt haben indes Glück, dürfen sie dank der geltenden Bestimmungen in Rheinland-Pfalz – unter strengen Hygienebestimmungen – trainieren.

Auf die Frage nach einer Einschätzung des von BVDG Seite anvisierten neuen Starttermins im Februar äußerte sich Mohr hingegen skeptisch. Aus seiner Sicht wird es Corona-bedingt bis dorthin keine großartigen Änderungen geben, die eine klassische Durchführung von Bundesliga-Wettkämpfen möglich macht. Auch was den Einsatz seiner ausländischen Top-Heber angeht, macht sich der Mutterstädter Teamchef keine Illusionen:

Auch einen Einsatz unserer ausländischen Heber, kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt kaum vorstellen.

Stefan Mohr, AC Mutterstadt e.v.

Einer der größten Stimmungsmacher der Liga ist Mohammed Hoblos. “Mo”, wie ihn seine Trainingskollegen liebevoll nennen, animiert die Fans und wächst gerade bei vollen Wettkampfhallen regelmäßig über sich hinaus.

Hoblos kann dem Training innerhalb der heimischen Wohnung, der damit verbundenen Lärmbelästigung gegenüber seinen Nachbarn und der Verschiebung der Bundesligasaison, nur wenig abgewinnen. Wenngleich mit der Absage auch eine große Last von seinen Schultern fällt:

Mir persönlich ist es eine Erleichterung, da ich aufgrund des zweiten Lockdowns nicht trainieren kann. Auch ich, habe etwas an Equipment zuhause, aber es ist nicht ansatzweise mit dem Training im Verein zu vergleichen.

Mohammed Hoblos, Bundesliga-Heber BEIM SV GErmania Obrigheim e.v.

Neben seinem Engagement in der ersten Bundesliga, trainiert Hoblos vor allem Jugendliche in seinem Heimatverein, dem SuS Derne. Gerade hier sieht er abseits der Bundesliga-Bühnen die größten Gefahren für das Gewichtheben:

Was mir größere Sorgen bereitet, ist die Nachwuchsarbeit mit der Jugend. Für die Jugendlichen fällt das Training mit der Schließung des Vereins leider ganz aus. Eine längere Auszeit sorgt manchmal dafür, dass die Jugendlichen den Bezug zum Sport verlieren und der Wiedereinstieg nicht einfach ist.

Mohammed Hoblos zählt zu den Stimmungsmachern innerhalb des Deutschen Gewichthebens und engagiert sich nebenbei in der Nachwuchsarbeit

Bundesliga Gewichtheben
Folge Mo auf Instagram: @mo_at_you
Quelle: LiftersWorld / Arthur Enns

Mo startet im Ligabetrieb für den SV Germania Obrigheim, einem Verein mit besonders hohen Zuschauerzahlen bei Heim-Wettkämpfen. Auch wenn im Gewichtheben hohe Einnahmen im Ticketing wohl eher die Ausnahme sind, treffen die Wettkampfausfälle den Verein hart und das nicht aufgrund Hoblos’ fehlender Motivation durch die Zuschauer in der Obrigheimer Neckarhalle.

Der in Obrigheim für die Bundesliga Verantwortliche Manuel Noe, findet deshalb klare Worte im Bezug auf die Verschiebung des Bundesliga-Starts:

Für uns ist das natürlich ein Super-Gau, wir hätten diese Saison sowieso nur 3 Heimkämpfe. Wenn diese dann ohne Zuschauer oder mit Beschränkungen stattfinden müssten, wird das finanziell für uns sehr schwierig. Wir erzielen zwischen 50 und 60 Prozent unserer Einnahmen durch Veranstaltungen. Aus rein finanzieller Sicht muss ich also sagen, unter diesen Umständen ist es besser für uns, wenn keine Bundesliga-Wettkämpfe stattfinden.

Manuel Noe verantwortet im Vorstand des SV Germania Obrigheim auch die Bundesliga-Teams
Quelle: Privat

Abgesehen von den finanziellen Auswirkungen für den Verein, hält Noe die Entscheidung zur Verschiebung jedoch für richtig, steht einem Start im Februar aber ebenfalls eher skeptisch gegenüber:

Die Verschiebung ist zum heutigen Zeitpunkt genau richtig. Solange die Breite der Sportler gar nicht oder nur eingeschränkt trainieren kann, brauchen wir nicht an einen Start der Liga zu denken. Eine Absage der Saison käme aber noch zu früh. Keiner kann heute seriös sagen, wie es im Januar aussehen wird. Ich hoffe, dass wir im Januar wieder trainieren können. Wenn zum Jahreswechsel aber keine Trainingsfreigabe da ist, müssen wir die Saison aus meiner Sicht absagen.

Manuel Noe, SV Germania Obrigheim e.v.

Nach einem Besuch beim AC Mutterstadt und dem SV Germania Obrigheim, darf natürlich ein Abstecher zum AV 03 Speyer nicht fehlen. Vor Kurzem richteten die Speyerer, um Teamchef Frank Hinderberger, noch einen Testwettkampf aus und man war voller Motivation für die neue Saison (wir berichteten).

Vier Wochen nach diesem Event, ist die Lage in Speyer natürlich ebenso angespannt wie bei den anderen Bundesligaclubs. Besonders kritisch sieht Hinderberger die Situation im Hinblick auf die finanziellen Auswirkungen einer möglichen Absage der gesamten Saison 2020/2021:

Im Hinblick auf Sponsoren sehe ich die Lage kritisch.

Bereits ausbezahlte Gelder müssten bei einem kompletten Ausfall teilweise oder ganz zurückgezahlt werden.

Wir müssen ja auch in Vorleistungen gehen, Werbebanden müssen hergestellt oder Trikots bedruckt werden. Ein Saisonheft war in Vorbereitung, das verursacht natürlich Kosten, die an uns hängen bleiben. Neue Sponsoren zu finden ist ohne Termine fast unmöglich.

Frank Hinderberger ist Abteilungsleiter Gewichtheben
des AV 03 Speyer
Quelle: Privat

Sportlich hatte man sich beim AV 03 Speyer für die kommende Saison viel vorgenommen und mit drei absoluten Top-Verpflichtungen bereits für Staunen gesorgt. Mit Simon Brandhuber und Patricia Rieger hatte man sich gezielt verstärkt, hinzu kam noch der überraschende Wechsel von Lisa-Marie Schweizer. Schweizer ist laut Hinderberger in der Form ihres Lebens und riss vor einigen Tagen erst die magische 100 kg-Marke im Training.

Mit diesen Neuzugängen hatte man sich gezielt in Richtung Meistertitel fokussiert, kommen hierzu ja noch eine Vielzahl etablierter Speyerer Athleten. Wie beispielsweise Björn Günther, der im Rahmen des Testwettkampfes am 10. Oktober, erstmalig 200 kg im Stoßen bewältigte. Das Aufgebot des AV 03 wird dabei von so klangvollen Namen wie Jürgen Spieß, sowie Julia und Tom Schwarzbach vollendet.

Lisa-Marie Schweizer reißt 100 kg im Bundesleistungszentrum Leimen

Digitalen Wettkämpfen steht Frank Hinderberger trotz der aktuellen Situation aber etwas kritisch gegenüber:

Ich denke, dass digitale Wettkämpfe die absolute Ausnahme darstellen und wenn, dann in einem ordentlichen Rahmen stattfinden sollten. Ein Wettkampf in der Trainingshalle, bei dem jeder seine Hantel selbst belädt und drei Versuche macht, damit kommen unsere Jugendlichen nicht klar. Dabei fehlt die Spannung und der Druck. Wenn man dies aber normal auf der Bühne mit einem Gegner in einer anderen Halle durchzieht kann das auch seinen Reiz haben, sollte aber eine absolute Ausnahme sein.

FRANK HINDERBERGER, AV 03 SPEYER E.V.

Man kann allen Teams der ersten und zweiten Bundesliga in den kommenden Wochen und Monaten nur viel Kraft wünschen, stehen die Vereine wohl geschlossen vor einer Mammutaufgabe. Dabei geht es nicht nur um den Wettkampfbetrieb der einzelnen Clubs, sondern vielmehr um die Präsenz des gesamten Gewichthebens in den Hallen vor Ort und den Medien im Allgemeinen. Es bleibt zu hoffen, dass in der Krise innovative Ideen entstehen, die den Fortbestand des Liga-Systems ermöglichen können. Denn mit Normalität ab 06.02.2020 wird wohl kaum realistisch zu rechnen sein.

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