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Das Gewichtheben schafft sich ab – Wie Funktionäre eine Sportart an den Abgrund führen

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Noch etwas mehr als drei Wochen bis zum Start der Gewichtheber-Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Tokyo und noch nie war die Zukunft der Traditionssportart ungewisser.

Noch etwas mehr als drei Wochen bis zum Start der Gewichtheber-Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Tokyo und noch nie war die Zukunft der Traditionssportart ungewisser.

Knapp 260 Gewichtheberinnen und Gewichtheber waren es, die 2016 unter der Sonne Rios um Edelmetall kämpften und sich somit ihren Traum von Olympia erfüllen konnten. 2021 werden es bereits deutlich weniger sein, nur 196 Aktive hatten die Möglichkeit, sich für die diesjährigen Wettbewerbe zu qualifizieren. Doch die Aussichten für die Olympischen Spiele 2024 könnten nochmals kaum schlechter sein, denn nur noch 120 Qualifikationsplätze werden im Programm von Paris in der Sportart Gewichtheben ausgewiesen – nach jetzigem Stand kann aber ebenso die Streichung aus dem olympischen Programm drohen.

Nicht von ungefähr kommen dabei die drohenden Einschnitte für die Gewichtheberinnen und Gewichtheber, steht der Internationale Verband (IWF) doch seit letztem Jahr unter Dauerfeuer. Bereits mehrmals berichteten wir in den vergangenen Monaten über die Machtkämpfe in der Führungsetage des Gewichtheberweltverbandes, das Aufbegehren einiger nationaler Verbände und den aufkommenden Druck vonseiten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). 

Doch nun könnte sich das Gewichtheben selbst den finalen Todesstoß versetzt haben, nachdem in den letzten Wochen erneut eine Vielzahl von Verfehlungen einzelner IWF-Funktionäre bekannt geworden waren und man sich während eines digitalen Kongresses vorerst gegen eine neue Satzung aussprach.

Doch der Reihe nach. Den Auftakt der neuerlichen Geschehnisse rund um den angeschlagenen Weltverband machte vor gut einer Woche ein Bericht der Internationalen Antidoping Agentur ITA. Darin wurden erneut Vorwürfe gegen einzelne Vertreter des IWF-Vorstands formuliert. Im Mittelpunkt der Anschuldigungen fanden sich der Türke Hassan Akkus (bis zu diesem Zeitpunkt Präsident des Europäischen Gewichtheberverbandes EWF) und der Rumäne Nicu Vlad ( Präsident des Rumänischen Gewichtheberverbandes und bis zu diesem Zeitpunkt Mitglied des IWF-Vorstands) wieder. Beide traten daraufhin unter großem Druck von ihren Ämtern zurück und forderten eine transparente und neutrale Aufklärung der durch die ITA formulierten Vorfälle. Akkus und Vlad wird vorgeworfen, im Umfeld des Jahres 2012 mehrer positive Dopingbefunde von AthletInnen ihrer Nationen verschleiert zu haben. 

Zum nächsten Eklat der Gewichthebergemeinschaft führte daraufhin vor allem die Nachbesetzung des Türken Hassan Akkus. Mit dem 51-jährigen Maxim Agapitov übernahm der erste russische Staatsbürger in der Geschichte des kontinentalen Verbandes die Führung der EWF, doch ihm haftet ebenfalls ein gewaltiger Makel an. Agapitov, der sich in den letzten Jahren als erfolgreicher “Säuberer” im russischen Verband zu profilieren versuchte, war einst selbst erfolgreicher Gewichtheber. Zu seiner erfolgreichen sportlichen Karriere gesellte sich jedoch eine positive Dopingsperre in den 90er-Jahren. 

British Weightlifting CEO Ashley Metcalfe formulierte daraufhin ganz klar, dass er Neuwahlen innerhalb der EWF als wesentlich bessere Lösung erachte, anstatt mit Agapitov nun einen ebenfalls in der Kritik stehenden Interimspräsidenten zu installieren. Diese Kritik fußte jedoch nicht allein in der Personalie “Agapitov”, sondern vielmehr in einem Satzungsentwurf des Weltverbandes IWF, der im Rahmen des virtuellen Reform-Kongresses am 30.6.2021 beschlossen werden sollte. Darin wurde unter anderem eine “Unwählbarkeit” für Dopingsünder auf Lebenszeit festgeschrieben und eine Altersgrenze für Vorstandsmitglieder eingeführt. An diesem Punkt fand der Russe auch direkt einen Verbündeten im 85-jährigen Sam Coffa. Einem ehemaligen australischen Gewichtheber und seit Jahrzehnten im Gewichtheben aktiven Funktionär. Coffa würde im Falle einer neuen Satzung aufgrund seines Alters nicht mehr wählbar sein und vertrat schon in der Vergangenheit des Öfteren seine ganz eigene Agenda.

Der angesprochene Reform-Kongress war es nun aber auch, der die Unbelehrbarkeit der internationalen Funktionäre als auch die Gefahr für den olympischen Status der Traditionssportart deutlich machte. Nicht nur von Seiten des IOC wurde im Vorfeld klar kommuniziert, dass nur eine grundsätzliche Neuausrichtung der IWF den Fortbestand bei Olympischen Spielen sichern könne. Auch aus diesem Grund wurde am 30.6.2021 ein harter Satzungsentwurf zur Abstimmung gebracht, der am Ende jedoch an der “Alten Garde” der Mitgliedsverbände scheiterte. Mindestens drei der aktuellen Vorstandsmitglieder scharrten dabei eine Interessensgemeinschaft um sich, die mehr ihrer eigenen Agenda dient, als der Zukunft des Sports. Unter diesen Personen sind unter anderem Agapitov und Coffa.

Die Sitzung der IWF wurde daraufhin vertagt, ohne ein abschließendes Ergebnis zu erhalten. Eine Fortsetzung soll noch vor Beginn der Spiele in Tokyo erfolgen, wobei der Ausgang offenbleibt.

Es bleibt abzuwarten, ob sich persönliche Interessen durchsetzen und das olympische Feuer des Gewichthebens für immer erlischt oder am Ende doch eine kompromisslose Neuausrichtung der Sportart erfolgen kann.

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